Die Pferdepsychologie beinhaltet mehrere Teilbereiche:

  • Die Ethologie oder Verhaltensforschung ist die Wissenschaft über das Verhalten von Pferden in ihrer natürlichen Umgebung.
  • Die klinische Verhaltenskunde beschäftigt sich mit Verhaltensstörungen, die im Zusammenhang mit dem Menschen, durch heutige Haltungssysteme und Trainingsmethoden entstehen.
  • Das Untersuchen von pferdespezifischen Lernprozessen und deren Anwendung zur Therapie von Verhaltensstörungen.

Das Pferd hat eine lange Entwicklungsgeschichte vom kleinen, laubfressenden Fünfzeher (vor ca. 50-60 Mio. Jahren) bis zum großen, grasfressenden Einzeher hinter sich.
Während dieser Zeit hat es sich zu einem soziallebenden Lauf- und Fluchttier entwickelt. Atmung, Kreislauf, Bewegungsapparat und Verdauungstrakt sind, ebenso wie Sinnesorgane und Verhalten, auf dieses Leben spezialisiert.

Im Laufe von etwa 5000 Jahren Domestikation und züchterischer Auslese haben sich die Pferde zwar in verschiedener Hinsicht an das Leben in Menschenhand angepasst, die grundlegenden Eigenschaften des Pferdes haben sich aber nicht verändert. Daher entsprechen auch die Grundbedürfnisse und das Sozial- und Lernverhalten der heutigen Hauspferde, weitgehend dem ihrer wilden Vorfahren. Werden diese Grundbedürfnisse nicht in einer pferdegemäßen Haltung und dem verhaltensgerechten Umgang des Pferdes berücksichtigt, entstehen häufig Verhaltensprobleme.

Pferde sind also nicht absichtlich ungehorsam. Was für den Menschen ein Problem bedeutet, stellt für das Pferd eine Lösung dar. Die Kapazität Andere als denkende Wesen zu verstehen ist nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen dem Menschen vorbehalten. Pferde können sich nicht in andere hineinversetzen. Somit ist es Pferden nicht möglich andere absichtlich und bewusst glücklich oder traurig zu machen, oder zu ärgern, indem sie falsch, oder gar nicht auf Hilfen und Anweisungen reagieren. Selbst Verhaltenstörungen wie Koppen oder Weben stellen oft Anpassungen an unzureichende Haltungsbedingungen und eine reizarme Umwelt dar. Andere unerwünschte Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Scharren, wurden dem Pferd häufig unbewusst und ungewollt antrainiert.

Pferdepsychologie bildet die  Grundlage für Horsemanship.

Durch Kenntnisse über Lernverhalten, Ausdrucksweise und Kommunikation des Pferdes kann der Mensch das Verhalten des Pferdes verstehen und sich seinerseits dem Pferd verständlich machen. Dadurch ensteht eine vertrauens- und respektvolle Beziehung zwischen Pferd und Mensch. Das Pferd wird aufmerksam, aufnahmebereit und motiviert. Dadurch erlebt das Pferd selbst neue Situationen ohne Stress und mit Vertrauen zum Reiter. Die Arbeit mir dem Pferd wird harmonisch und das Pferd kann ohne Anspannung mehr Leistung zeigen. Auch bereits vorhandene Verhaltensprobleme können durch zielorientiertes Training auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse über pferdespezifisches Lernverhalten korrigiert werden.

Horsemanship ist keine neue Disziplin. Es ist eine Einstellung den Pferden gegenüber, eine Art mit ihnen zu arbeiten. Dieser Ansatz steht vollständig mit klassischer Reitkunst im Einklang.